Krise in der Luftfahrtbranche

Tische in Billig-Airlines bald nur gegen Gebühr?

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Der Tisch in der Economy Class gehört mit zum Basistarif vieler Billig-Fluggesellschaften.

Bild: IMAGO/Pond5 Images


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Billigairlines haben in den vergangenen Jahren Verbraucher:innen mit immer mehr kostenpflichtigen Extras belastet. Bald könnte auch der Tisch in der Economy Class zu einer zahlungspflichtigen Zusatzleistung werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein deutscher Sitzhersteller hat ein neues Plugin-Konzept für Tische in Airlines vorgestellt.

  • Billig-Airlines könnten mit diesem Modell in Zukunft auch zusätzliche Kosten für einen Tisch am Sitzplatz verlangen.

  • Verbraucherschützer warnen zunehmend vor Extragebühren für Basisleistungen und klagen gegen Ailrines.

Die steigenden Preise für Kerosin ausgelöst durch den Iran-Krieg setzen Anbieter von Billigflügen unter Druck. Diese versuchen seit Jahren ihr Standardangebot zu verschlanken und durch Extrazahlungen mehr Einnahmen zu generieren. Auf Reisende kommen jetzt höhere Kosten zu - und vielleicht könnte auch schon bald ein weiterer Teil des Standardangebots kostenpflichtig werden.

Wie das Magazin "AeroTelegraph" berichtet, hat ein deutscher Sitzhersteller auf der Kabinenmesse AIX in Hamburg ein neues Konzept für die Grundausstattung in Flugzeugen vorgestellt. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Plugin-Table-Solution. Die Tische in Flugzeugen lassen sich üblicherweise je nach gebuchtem Tarif an der Rückseite des vorderen Sitzes oder an der Seite des eigenen ausklappen, wo sie fest verbaut sind.

Das neue Konzept aber setzt auf ein modulares System, bei dem ein Tisch oder andere Gebrauchtaktgenstände wie ein Tablet- oder Flaschenhalter eingesetzt werden können. Umgesetzt wird dies mithilfe eines schmalen Schlitzes am Vordersitz. Dies ermöglicht, dass die gewünschten Module je nach Bedarf eingesteckt werden können.

Nach Angaben des Herstellers sollen die Tische dann im Voraus buchbar sein. Für Reisende entstünden dadurch zusätzliche Kosten, weil sie dann die entsprechenden Plug-In-Leistungen als Extras dazubuchen müssten. Auf diese Weise ließen sich jedoch Spritkosten, Geld und Emissionen sparen, da die Plugin-Lösung deutlich leichter ausfiele. Die Elemente dürften dann nur während des Fluges, aber nicht bei Start und Landung genutzt werden. Der Hersteller Recaro lässt auch die Möglichkeit offen, dass Passagier:innen sich ihre Plug-Ins per 3D-Drucker selbst ausdrucken und mitbringen.

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Kostenfallen bei Billig-Airlines: Verbraucherschützer warnen vor zusätzlichen Kosten

Sollten sich diverse Airlines angesichts der aktuellen Krise dazu entscheiden, die Plug-In-Modelle in ihr Angebot zu integrieren, wird damit eine weitere Leistung von der Liste der normalerweise im Flugticketpreis enthaltenen Angebotspalette gestrichen. Ausgelöst durch die Corona-Krise haben Airlines in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Leistungen für Reisende, vorwiegend in der Economy Class, gegen Aufpreis angeboten. Dazu gehören beispielsweise Gratissnacks oder die Sitzplatzwahl. Einige Fluggesellschaften, darunter Ryanair, Eurowings oder Wizz Air, haben zudem Gebühren für den Check-in am Flughafen verlangt, wenn der Online-Check-In verpasst wurde. Laut Berichten der "New York Post" hat die kanadische Billig-Fluggesellschaft WestJet sogar in bestimmten Boeing-Maschinen das Zurücklehnen nur unter Aufpreis gestattet.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband verklagte im Rahmen einer Initiative europäischer Verbraucherverbände wegen des Aufpreises für Handgepäck mehrere Airlines, darunter easyJet, Eurowings und WizzAir, weil die Airlines in ihrem Basistarif oft Zusatzgebühren für angemessenes Handgepäck verlangten. Die Verbraucherschützer argumentieren, dass ein Gepäckstück in angemessener Größe immer im Flugpreis enthalten sein müsste.

Die von den Airlines verlangten Gebühren würden gegen EU-Recht verstoßen, da das Handgepäck nicht zu Zusatzleistungen, sondern zur normalen Beförderung von Passagier:innen gehört. Vor diesem Hintergrund konnten die Verbraucherschützer im Falle einer Klage gegen die spanische Airline Vueling mit einem Versäumnisurteil bereits einen ersten Erfolg erreichen.

Plug-In-System für Flugzeugtische: Airlines offenbar noch unsicher

Im Falle der Plugin-Table-Solution zeigen Airlines offenbar aber noch wenig Interesse. Denn die aktuell vorgestellte Version des Konzeptes ist mittlerweile bereits die dritte - und einen Kunden hat Hersteller Recaro noch nicht. "Die Airlines haben noch Respekt davor, den Tisch wegzulassen", erklärte André Frischknecht, Recaro-Manager für neue Technologien, Nachhaltigkeit und leichte Produkte.

Der Kerosinmangel aber könnte zahlreiche Airlines bald in die Pleite führen, wie Verbraucherschützer warnen. Während viele Fluggesellschaften ihre Reiserouten ändern und durch einen Kerosinzuschlag versuchen Kosten auszugleichen, mahnen einige Expert:innen, dass der Kerosinmangel Jahre andauern könnte. Auch wenn die Preise für Treibstoff durch eine baldige Lösung des Konfliktes in Nahost fallen sollten, könnte die derzeit akute Lage langfristige Auswirkungen auf Billig-Airlines zeigen - mit Konsequenzen für Verbraucher:innen.


Verwendete Quellen:

aerotelegraph.com: "Machen Billigflieger künftig auch die Tische kostenpflichtig?"

verbraucherzentrale.de: "Handgepäck kostet extra? Verbraucherzentralen verklagen Airlines"

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